Lie­der­ma­cher in Deutsch­land – Vol.3, Für wen wir sin­gen (3fach-) CD

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Various – Lie­der­ma­cher in Deutsch­land: Vol.3, Für wen wir sin­gen (3‑CD)

3‑CD im luxu­riö­sen 8‑seitigen Digi­pac mit 184-sei­ti­gem Book­let, Spiel­dau­er 4h.

Für wen wir sin­gen, Vol. 3

Hei­mat – Dia­lek­te und Regio­nen

Wenn mit­ten in einer tra­gi­schen Rede sich ein Pro­vin­zia­lis­mus ein­drängt, so wird die schöns­te Dich­tung ver­un­stal­tet und das Gehör des Zuschau­ers belei­digt. Daher ist das Ers­te und Not­wen­digs­te für den sich bil­den­den Schau­spie­ler, daß er sich von allen Feh­lern des Dia­lekts befreie und eine voll­stän­dig rei­ne Aus­spra­che zu erlan­gen suche“ (Johann Wolf­gang von Goe­the, ‚Regeln für Schau­spie­ler‘, Para­graph 1).

Gin­ge es nach Deutsch­lands gro­ßem Dich­ter­fürs­ten, dann gäbe es wahr­schein­lich die­se CD gar nicht. Schrieb er Schau­spie­lern doch die­sen Para­gra­phen vor fast genau 200 Jah­ren ins Pflich­ten­heft. Mit Erfolg. Bis vor gar nicht so lan­ger Zeit schien in Deutsch­land ein Deckel auf den Sarg jeg­li­cher Mund­art im künst­le­ri­schen Zusam­men­hang gena­gelt gewe­sen zu sein. Doch seit eini­gen Jah­ren sind regio­na­le Spra­chen auf dem Vor­marsch. Vor allem in unse­ren Nach­bar­län­dern sind sie gut ange­se­hen. Frie­sisch und Lim­bur­gisch in den Nie­der­lan­den, Bre­to­nisch oder Okzi­ta­nisch in Frank­reich haben Kon­junk­tur. Zwar haf­tet in Deutsch­land dem Dia­lekt immer noch der Geruch von etwas ver­meint­lich Pro­vin­zi­el­lem und Unge­bil­de­tem an. Doch spä­tes­tens seit Anfang der 70er Jah­re erle­ben Mund­art und Lie­der ver­schie­de­ner Regio­nen einen Auf­schwung.

Mund­art – was ist das?“, frag­te Flo­ri­an Stein­biß 1984 in sei­nem Buch ‚Deutsch-Folk – Auf der Suche nach der ver­lo­re­nen Tra­di­ti­on‘. Sind es „Töne, die von unten kom­men, oder Ton-Trä­ger, die der Plat­ten­in­dus­trie ‚unten‘ einen gro­ßen Absatz ver­spre­chen?“, woll­te er wis­sen. Und: „Wird hier die Sehn­sucht nach per­sön­li­chem Akzent und Iden­ti­fi­zie­rung von Leu­ten plump ver­mark­tet, die es viel­leicht ehr­lich mei­nen, dann aber nicht ganz auf­rich­tig blei­ben?“

Wie auch immer die Ant­wort auf die­se Fra­ge aus­fällt, vor über 30 Jah­ren begann unter Lie­der­ma­chern und Folk­grup­pen ein Dia­lekt-Revi­val nicht nur im Nor­den der Bun­des­re­pu­blik. Vor allem auch im Rhein­land, in Hes­sen, Schwa­ben und in Bay­ern zeig­ten Musi­ke­rin­nen und Musi­ker ein neu­es Selbst­be­wußt­sein im Umgang mit Mund­art. Ver­bun­den war damit eine inten­si­ve Aus­ein­an­der­set­zung mit der jewei­li­gen Regi­on und ihrer Geschich­te, schreibt Flo­ri­an Stein­biß: „Die neue Hei­mat­lie­be weckt das Geschichts­be­wußt­sein: Was ist frü­her hier pas­siert, wovon erzäh­len die alten Lie­der? Man ver­sucht an ver­lo­re­ne Tra­di­tio­nen anzu­knüp­fen; die geschichts­lo­se Nach­kriegs- und Wirt­schafts­wun­der­zeit wird durch den Bezug auf das eige­ne poli­ti­sche und kul­tu­rel­le Erbe, zu dem die Volks­lie­der gehö­ren, über­wun­den.“ Wal­ter Moß­mann weist gegen­über Stein­biß auf den Zusam­men­hang von Dia­lekt und Volks­mu­sik mit dem poli­ti­schen Enga­ge­ment in einer Regi­on hin. Wie bei­spiels­wei­se bei den Aktio­nen der Bür­ger­initia­ti­ven im so genann­ten ‚Dreyeck­land‘, dem Grenz­ge­biet zwi­schen Elsaß, Baden und der Schweiz. „Das ist ja so etwas Rea­les, so etwas Wirk­li­ches, wenn ich sage, ich lebe hier […], kenn’ mich hier auch ganz gut aus. Ich lie­be auch die Gegend, und ich las­se mich hier auch auf die Wider­wär­tig­kei­ten ein, ich habe auch Haß auf vie­les, was es hier gibt, strei­te mich dann eben mit Leu­ten oder Insti­tu­tio­nen.“

Auf der CD ‚Hei­mat – Dia­lek­te und Regio­nen‘ geben Künst­le­rin­nen und Künst­ler zwi­schen Schles­wig-Hol­stein und Bay­ern ihre jeweils ganz per­sön­li­che Ant­wort auf die Fra­ge: „Mund­art – was ist das?“ Für eini­ge sind ihre Lie­der Aus­druck poli­ti­scher Kämp­fe, für ande­re Aus­druck einer Sehn­sucht nach mensch­li­chen Ver­hält­nis­sen. „Der Dia­lekt wird zu einer Art Hal­te­punkt in einer all­zu moder­nen Welt, in einer schwind­lig machen­den Welt, in der man nicht mehr mit­kommt“ (Eck­art Frahm/Wolfgang Aber). Sie alle zei­gen jedoch, daß Dia­lekt und Hei­mat bei wei­tem nicht auto­ma­tisch mit einer poli­tisch rech­ten oder kon­ser­va­ti­ven Gesin­nung gleich­zu­set­zen sind.

Natür­lich ist die hier ver­tre­te­ne Aus­wahl alles ande­re als voll­stän­dig. Das kann und will sie auch gar nicht sein. Auf Dia­lekt-Rock­grup­pen wie die Münch­ner Spi­der Mur­phy Gang oder Wolf­gang Nie­de­cken und BAP aus dem Rhein­land wur­de eben­so ver­zich­tet wie auf Bei­spie­le aus der volks­tüm­li­chen Hit­pa­ra­de. Wobei der eine oder ande­re Ver­tre­ter der baye­ri­schen Sze­ne noch in der letz­ten Aus­ga­be der Samm­lung ‚Für wen wir sin­gen‘ zu hören sein wird.

Die Wur­zel der Geschich­te aber ist der arbei­ten­de, schaf­fen­de, die Gege­ben­hei­ten umbil­den­de und über­ho­len­de Mensch. Hat er sich erfaßt und das Sei­ne ohne Ent­äu­ße­rung und Ent­frem­dung in rea­ler Demo­kra­tie begrün­det, so ent­steht in der Welt etwas, das allen in die Kind­heit scheint und wor­in noch nie­mand war: Hei­mat“ (Ernst Bloch, ‚Das Prin­zip Hoff­nung‘).

DDR-kon­kret: Zwi­schen Lie­be und Zorn

3‑CD im luxu­riö­sen 8‑seitigen Digi­pac mit 184-sei­ti­gem Book­let, Spiel­dau­er 4h

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