Fei­ne Sah­ne Fisch­fi­let – Blei­ben oder gehen LP

18,00 


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Beschreibung

Der Blitz­start, den das Sex­tett aus Meck­len­burg-Vor­pom­mern im Herbst 2012 mit »Schei­tern Und Ver­ste­hen« hin­leg­te, ist bei­spiel­los für eine hie­si­ge Punk­band. Eine ste­tig wach­sen­de Wel­le von Inter­es­se und Anteil­nah­me brach­te die Band von kleins­ten Punk­fan­zines bis hin zu gro­ßen bür­ger­li­chen Zei­tun­gen und sogar Fern­seh­sen­dun­gen ins Gespräch.

Die prag­ma­tisch-boden­stän­di­ge und zudem humor­vol­le Atti­tü­de, mit der die Youngs­ters aus der Pro­vinz­höl­le den rechts­re­ak­tio­nä­ren, frem­den­feind­li­chen und auto­ri­tä­ren Zumu­tun­gen ihres All­tags ent­ge­gen­tre­ten, fas­zi­niert. Wer so viel Poli­zei, Nazis und Staats­schutz gegen sich hat, dem wird die bren­nen­de Wut der eige­nen Tex­te ein­fach bes­ser abge­kauft.

Der berech­tig­te Erfolg des Albums brach­te die Band auf unge­wohn­tes media­les Par­kett, sorg­te für zahl­rei­che rich­ti­ge und fal­sche neue Freun­de – und schick­te sie auf eine seit­dem fast durch­ge­hen­de Live­tour durch immer grö­ßer wer­den­de und schnel­ler aus­ver­kauf­te Clubs und Hal­len. Öffent­li­ches Abbren­nen an bei­den Enden beschreibt das wohl bes­ser als »gro­wing up in public«.

Wie der trotz allen Anfech­tun­gen stets posi­tiv gestimm­te Hau­fen um Band­pa­va­rot­ti Mon­chi es trotz­dem schaff­te, aus­rei­chend Mate­ri­al für ein neu­es Album zusam­men­zu­tra­gen, bleibt ein Rät­sel, jeden­falls wur­de im Som­mer 2014 das Ham­bur­ger Clouds Hill Stu­dio geen­tert und mit Tors­ten Otto das Nach­fol­ge­werk »Blei­ben Oder Gehen« rea­li­siert. Die­ser Titel ist das zen­tral ver­bin­den­de Moment der zwölf neu­en Songs und beschreibt den Kon­flikt zwi­schen dem Impuls zu Auf­bruch und Ver­än­de­rung und dem Wunsch zur Kon­ti­nui­tät, zum Behar­ren. Das drückt sich in den poli­ti­schen, nach wie vor wüten­den Tex­ten genau­so aus wie in den Per­sön­li­chen, die ver­lo­re­ne Freund­schaft, Lie­be oder den Tod eines engen Freun­des beschrei­ben – oder die Per­spek­tiv­lo­sig­keit des Daseins in der Pro­vinz.

Dass Fei­ne Sah­ne Fisch­fi­let nach hun­der­ten wei­te­ren Kon­zer­ten als Musi­ker mit enor­mer Sou­ve­rä­ni­tät zurück­keh­ren wür­den, war zu erwar­ten. Auch das noch­mals pro­fes­sio­na­li­sier­te Klang­bild ver­wun­dert kaum. Doch es über­rascht, wie sehr die Band gleich­zei­tig ihre Songs in allen Belan­gen viel per­fek­ter auf den Punkt bringt, ohne die direkt-rup­pi­ge Anspra­che ein­zu­bü­ßen. Mit dicht stamp­fen­den Punk­rock­hym­nen, die von mit­rei­ßen­den Blä­ser­me­lo­di­en beflü­gelt wer­den, eröff­net das Album, um dann mit dem vier­ten Song »Lass Uns Gehen« einen über­ra­schend Indie-pop­pi­gen Hit zu prä­sen­tie­ren, der ent­fernt an ele­gan­te Mod-Pop-Leich­tig­keit á la Super­punk oder Die Aero­nau­ten erin­nert. Schon kurz dar­auf kommt »War­ten Auf Das Meer«, eine Gitar­ren­bal­la­de, deren Text erschau­ern lässt. Gut, dass mit »Ich Glau­be Dir« wie­der ein posi­ti­ver Grund­ton erklingt. »Solan­ge Es Brennt«, »Es Bleibt Beim Alten« und »Nur Applaus« bil­den einen dich­ten Rie­gel von kom­pak­ten, aber hoch­me­lo­diö­sen Punk­rock-Kra­chern, bis mit »Ruhe« und »Am Ende« das Album gekonnt aus­klingt.

Fei­ne Sah­ne Fisch­fi­let sind noch mit­rei­ßen­der gewor­den, man kann sich bild­lich vor­stel­len, wie die neu­en Songs, vor allem die durch­weg bes­tens mit­sing­ba­ren Refrains bei den künf­ti­gen Shows von Hun­der­ten ange­stimmt wer­den. Dass sie kei­nes­wegs an inhalt­li­cher Schär­fe ein­ge­büßt haben und den­noch musi­ka­lisch und lyrisch ihre Aus­drucks­mög­lich­kei­ten bra­vou­rös erwei­tert haben, macht »Blei­ben Oder Gehen« zu einem ech­ten High­light.

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