Falk – Smog­se­hn­sucht CD

15,50 


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Beschreibung

Falk kann ein­fach nicht die Klap­pe hal­ten – und das ist auch gut so. Dass der prämierte Lie­der­ma­cher und Lyri­ker, Kaba­ret­tist und Song­wri­ter einer der Gro­ßen sei­ner Genera­ti­on ist, darüber sind sich sowohl Fans als auch Kri­ti­ker diver­ser Jurys die­ses Lan­des seit gerau­mer Zeit einig: Gewin­ner der Lie­der­bes­ten­lis­te 2015 und des Förderpreises der Hanns-Sei­del-Stif­tung, deutsch­land­wei­te Solo-Tour­ne­en sowie zahl­rei­che Kon­zer­te in Beglei­tung von Götz Wid­mann, schluss­end­lich die Veröffentlichung sei­nes mitt­ler­wei­le drit­ten Albums „Smog­se­hn­sucht“ – Falks Jahr 2015 spricht für sich. Aber begin­nen wir vor­ne: 1985 in Wup­per­tal gebo­ren und seit 2011 Wahl­ber­li­ner, stu­dier­te Falk Phi­lo­so­phie und Geschich­te. Dabei beglei­te­ten ihn schon seit frühester Jugend sei­ne Gitar­re und sein Instinkt, das Erleb­te in Song­tex­te zu packen. Sein sprach­lich- musi­ka­li­sches Talent führte ihn kon­se­quent zum jet­zi­gen Lebens­weg: „Wie­so muss ich jeden Scheiss / von mir geben, den ich denk ́ / Du hättest nichts dage­gen / wenn ich mir das auch mal schenk ́“, gesteht er sich in sei­nem Song „Klap­pe“ ein. Doch es gibt zum Glück des Hörers mehr als genügend Gründe und Abgründe, die die­ses Klap­pe-Hal­ten für den Künstler unmöglich machen.

Falk ist als Lie­der­ma­cher ange­nehm unkon­trol­liert: Uns­re bun­des­deut­schen Befind­lich­kei­ten demas­kiert er scham­los, angst­frei und gna­den­los lus­tig – und das im Kon­text einer poli­tisch selt­sam durch­ein­an­der gewürfelten Welt. So ent­larvt er einer­seits die dog­ma­ti­sche Hal­tung der Welt­ver­bes­se­rer von links in all ihrer absur­den Para­do­xie: „Bio­fa­schist, Bir­ken­stock­na­zi, Kra­ck­er­ras­sist“. Ande­rer­seits nimmt er sich die von Piket­ty und ande­ren gezeig­te wach­sen­de Kluft zwi­schen Arm und Reich, die zemen­tier­te Undurchlässigkeit einer im Stil­len rechts-kon­ser­va­ti­ven Gesell­schaft in „Geerbt“ zur Brust. Er ist auf sei­ne Art gezwun­ge­ner­ma­ßen muti­ger als die Weckers und Waders die­ser Nati­on es sein muss­ten, denn der Wahr­heit ste­hen heut­zu­ta­ge schein­hei­li­ge­re Fein­de aus allen poli­ti­schen Lagern gegenüber. Die Poli­ti­cal Cor­rec­t­ness ist dabei sein erklärter Geg­ner und das Schönste dar­an: Er ent­reisst den Stamm­ti­schen ihr bier­duns­ti­ges „Man-wird-ja- wohl-noch-sagen-dürfen“-Privileg. Wie poli­tisch das Pri­va­te ist und wie die­ser All­tag zeit­gleich brüllend komisch sein kann, erzählt uns Falk in einer gan­zen Serie wun­der­bar gehässiger Songs. Sei es der neue Körperkult mit eso­te­ri­schem Ein­schlag einer deut­schen Jog­ging-Kul­tur, der fast ego­ma­ni­sche Kult des Mut­ter­da­seins oder die schöne neue Welt der Dau­er­erreich­bar­keit – nie­mand und nichts ist vor Falks Wort­witz sicher.

Nach einem ers­ten Album in Eigen­re­gie veröffentlicht Falk seit 2012 beim Schwei­zer Ahu­ga!- Label, Heim­statt zahl­rei­cher Talen­te rund ums Lie­der­ma­chen. Sein aktu­el­les Album „Smog­se­hn­sucht“ weist ihn dabei jedoch als dif­fe­ren­zier­te­ren Künstler aus als sei­ne bis­he­ri­gen Plat­ten es erah­nen lies­sen – es zeigt Falk als Lie­der­ma­cher und gleich­zei­tig als einen Grenzgänger, des­sen Song­wri­ting die ver­schie­dens­ten Strömungen unter­lie­gen: Ein Lyri­ker der Iro­nie mit Zügen Robert Gern­hardts („Bor­der­line“), ein melan­cho­li­scher Song­po­et mit Sven Rege­ner Attitüde („Egal“), und ins­ge­samt ein­fach ein Cha­rak­ter­kopf wie ihn die poli­ti­sche Kor­rekt­heit zuguns­ten blei­chen Kon­for­mis­mus schon lan­ge nicht mehr zuzu­las­sen schien. Mal kraft­voll, mal melan­cho­lisch mit Gitar­re instru­men­tiert, sei­ne Musik trans­por­tiert immer die Direkt­heit sei­ner Mes­sa­ge. Auch die redu­zier­ten Arran­ge­ments, die hier und da mal eine Mund­har­mo­ni­ka oder ein Pia­no auf­blit­zen las­sen, unter­strei­chen die sub­ver­si­ve Kraft sei­ner Lie­der.

Bedarf es bei all dem einer maso­chis­ti­schen Ader, um Falk voll genies­sen zu können? Viel­leicht, doch es sei ver­spro­chen: Er belei­digt aufs Char­man­tes­te, er pöbelt so unfass­bar lie­be­voll und ist er niveau­los, dann nur auf allerhöchstem Niveau. Derb wie ein niederländisches Sittengemälde und so real und melan­cho­lisch wie der Dreck in den Großstädten – Falk ist der Song­po­et, an dem zur Zeit kein Vor­bei­kom­men ist.

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